Fersenhochgang und Klappmechanismen


Wir haben uns bereits schon früher zu dem Thema geäußert, möchten da hier aber noch ausfühlicher erklären:

In den 1990er Jahren wurde schon mit Klappmechanismen, wie Skilanglaufbindungen, an Cross-Skates experimentiert, um einen Fersenhochgang zu ermöglichen. Der Cross-Skate Hersteller Powerslide stellte sogar bis etwa 2011 einen sehr soliden Mechanismus für eben diese Bewegung her, scheiterte damit aber am Markt. Wer wirklich "cross" fahren wollte - und dazu gehören bereits feingeschotterte Parkwege, kam mit dieser Mechanik schlechter zurecht als ohne und klagte meistens über eine erhöhte Sturzhäufigkeit. Warum? Skilangläufer haben doch auch eine Klappbindung!

Ja, Skilangläufer. Sie betreiben ja auch Skilanglauf mitunter sogar im klassischen Stil (Diagonaltechnik). Ski-Profis oder Amateursportler, die auf Profiniveau trainieren, wie WASA-Läufer, brauchen in der Tat einen möglichst vollwertigen Ski-Ersatz, um die klassische Skitechnik zu simulieren. Mit den besten Skirollern gelingt dies auf dem perfekten Asphalt von Skirollerbahnen, nach Aussage von Experten, auch bis zu 70 Prozent. Oder auch, nur zu 70 Prozent. Die Klappmechanik am Skating-Ski ist dagegen vor allem eine Regelvorschrift, um die Folgen von Stürzen mit den recht langen Skiern in Richtung weniger Verletzungen zu drücken. Dies gelingt auch. Es wird aber auch häufig ein längerer und "natürlicheren" Abstoß beim Skiskating als Grund für die Klappbindung genannt. Für eine effiziente Technik auf Skating-Skiern ist dies aber gar nicht (mehr?) notwendig. Man kann den erkennbaren Abstoß in die Ferse hinein bei Profis an starken Anstiegen beobachten. Bei der Klassischen Technik ist ein Fersenhub für den Vorderfußabstoß mit einem verlängerten Schub nach hinten obligatorisch, da nur so die Haftungsreibung des Abstoßes für den Vortrieb eingesetzt werden kann. Bei Skirollers übernimmt eine Rücklaufsperre die Funktion des "Haftungstrittes", weshalb man auch auf Skirollern den Haftungstritt nicht wirklich üben kann oder ihn sogar verlernt.

Spezialisten im Klassischen Skilanglauf (oft Sportler, die das ganze Jahr für einige hoch geschätzte Wochen im Schnee trainieren) brauchen klassische Skiroller und das Training darauf im Sommer unbedingt. Sie nehmen für ihr höheres Ziel das Verletzungsrisiko bei Stürzen und die sehr begrenzte Auswahl an Trainingsstrecken (= Monotonie) in Kauf. Bei Rollski-Skatern ist die Notwendigkeit eine Klappbindung bereits fraglich, weil eine Klappbindung das Unfallrisiko auf Rollsportgeräten erhöht, weil sie dadurch schlechter zu beherrschen sind. Ein Sturz "vornüber" wird viel wahrscheinlicher. Andererseits sind die Skiroller sind aber so kurz, dass sie das Verletzungsrisiko nicht so sehr erhöhen wie ein rund zweieinhalb mal längerer Langlaufski. Bei "Kurz-Alpin-Skiern", mit 99 Zentimeter Länge, wird meist völlig auf eine Sicherheitsbindung verzichtet. Man stürzt dann zwar mit voller Verbindung zum Ski, aber verletzt sich trotzdem kaum noch. Aber gerade diese feste Verbindung macht den Ski, den Skiroller und auch den Cross-Skate in fast allen Situationen besser kontrollierbar, so dass es schon davor zu erheblich weniger Stürzen kommt.

Wer Skilaufen im klassischen Stil simulieren muss, braucht dafür spezielle Skiroller. Schon beim Skating-Stil ist es fraglich, ob die Klappeigenschaft bei Skirollern noch Vorteile hat. Bei Skiroller-Wettkämpfen ist der "Fersenhub" aus Tradition vorgeschrieben. Rennläufer stellen diesen Hub so gering wie möglich ein, weil sie darin Vorteile sehen. Wenn es erlaubt wäre, wüden sie dies noch weiter nutzen und ganz ohne Fersenhub skaten. Skiroller für die Skating Technik sind aber auch kurze Sportgeräte und vor allem sind es Rollsportgeräte.

Rollen und Gleiten erfordern aber oft sehr unterschiedliche Bauarten der Sportgeräte, damit man sie optimal für den Vortrieb einsetzen kann. Renn-Rollskiläufer haben erkannt, dass eine Klappbindung dafür nicht ganz optimal ist, sie bauen ihre Skiroller fast zu Speedskates (= Renn-Inliner) um. Auch Speedskater bevorzugen übrigens den Abstoß in die Ferse hinein. Warum?

Ein Gleitsportgerät, wie ein Ski ist lang und die Belastung des Vorderfußes wird den Vorderski nicht so stark in den Schnee drücken, dass man deswegen stecken bleibt. Auf kurzen Rollsportgeräten kann das Sportgerät, wenn es beim Abstoß zu weit vorne belastet wird, spontan stecken bleiben. Sei es eine Rauigkeit im Asphalt, ein Spiltsteinchen oder bei Cross-Skates mehrmals pro Sekunde die Unebenheiten des Geländes.

Fazit daraus: Wer Klassisches Skilanglaufen simulieren möchte, kann dies (nur) auf hochwertigen Klassik-Skirollern tun und benötigt dafür eine perfekte Asphaltdecke, wie sie leider nicht alle Radwege bieten. Es handelt sich aber um eine relativ risikobelastete Sportart für den Breitensportler, weil man auf sich auf Asphalt viel leichter verletzt als auf Schnee. Beim Ski-Skating gehen die Meinungen inzwischen auseinander, weil eine möglichst exakte Kopie des Wintersports mit Rollsportgeräten, die eine Klappbindung aufweisen, vermeidbare Risiken birgt. Denn wer aber seine Skating-Technik auf Cross-Skates mit Fersenanbindung trainiert, wird sicherer unterwegs sein, weniger Stürzen, viel mehr Wege und Jahreszeiten benutzen können (auch bei nassem Wetter sicher fahrbar) und ein ganz wichtiger Punkt, bei einer starken Bremsung, kann die Ferse nicht abheben, was einer Fersenhub-Mechanik möglich ist und dann die Bremsung völlig unsicher macht. So wird der Sportler mit fersenfixierten Cross-Skates mehr und verletzungsfreier trainieren, was der Leistung im Ski-Skating mehr nutzt als ein selteneres Training auf Skirollern oder Cross-Skates mit beweglicher Ferse, die man nicht so oft einsetzen kann.

Außerdem: Skilanglauf und Skiroller mit Fersenhub unterscheiden sich im Detail erheblich vom Cross-Skating mit Fersenanbindung! Deswegen gibt es auch Unterscheide zu der speziellen Cross-Skating Fahrtechnik, die erlernt werden muss. Die spezielle Technik sit für fersenfixierte Cross-Skates gedacht. Mit Cross-Skates mit Fersenhub kann sie nicht voll angewendet werden, diese Sportgeräte fallen mit diesen begrenzen Möglichkeiten aus dem Rahmen und fühlen sich dann nicht als vollwertige Cross-Skates an.

Ausgedrückt werden die Alleinstellungsmerkmale des Cross-Skating Sports oft mit dem Spruch, "Cross-Skating ist Cross-Skating und Cross-Skates sind Cross-Skates!". Die vielen Alleinstellungsmerkmale wirken sich auf die Fahrtechnik und die (sinnvolle) Konstruktionsweise der Sportgeräte aus. Cross-Skates sind keine Sommerski und auch das auffällige Marketing-Gimmick "Fersenhub" macht einen Cross-Skate nicht zum Skiroller. Unsere Erfahrung (in Einzelfall weit über 60.000 km auf Cross-Skates) zeigt, dass Cross-Skates ohne Fersenhub, die besseren Cross-Skates sind. Rücklaufsperren funktionieren in Cross-Skates nur beim Steigen in gemäßigtem Tempo an extreme Anstiegen, aber das macht nur wenigen Spaß. Cross-Skates sind ja außerdem sehr schwer. Ob man Cross-Skates, die mit "allem" ausgestattet sind (also Fersenhub und Rücklaufsperre), ebenso leicht zum Skating, wie zum (dann Pseudo-) Klassischen Stil benutzen wird, ist zweifelhaft. Beim Skating-Stil und auf allen Abfahrten (auch klassisch) zeigt sich eine Fersenhub-Mechanik leider oft als überflüssig bis riskant, denn man kann damit auch sauber nach vorn fallen.